Die zukunftsfitte Finanzorganisation als zentrales Element der CFO-Agenda
Die vergangenen Jahre haben vor allem eines gezeigt: Die Rahmenbedingungen für die CFO-Organisation sind herausfordernd und werden es auf absehbare Zeit weiterhin bleiben. Zahlreiche Krisen, disruptive Ereignisse, aber auch neue technologische und gesellschaftliche Entwicklungen haben dazu geführt, dass sich CFOs mit der Frage einer zukunftsfitten Finanzorganisation mit hoher Priorität auseinandersetzen müssen.
Wesentliche Treiber dafür sind ua:
Unsicherheit bleibt auf einem Rekordhoch:
- Der Umgang mit Unsicherheit ist weiter zu optimieren. Stabilität sicherzustellen und die Resilienz der Organisation (aber auch von Projekten) auszubauen sowie ein strukturierter und professionalisierter Umgang mit Risiken wird immer bedeutender.
- Das Management von geopolitischen Risiken ist dabei wesentlich und zunehmend ein wichtiger Erfolgsfaktor (geopolitische Resilienz).
Geschäftsaussichten werden wieder besser:
- Geschäftsaussichten verbessern sich wieder. Es gilt aber, den Fokus bei der Ressourcenallokation, insbesondere bei Investitionen und Projekten, weiter im Auge zu behalten bzw als wichtigen Erfolgsfaktor zu betrachten.
- Investitionen in aussichtsreiche Wachstumsalternativen (zB Projekte mit hohem strategischem und finanziellem Mehrwert) sind zu identifizieren, zu bewerten und auch konsequent in der Umsetzung zu monitoren bzw nachzuverfolgen.
Margen- und Kostendruck ist weiter hoch:
- Hoher Margen- und Kostendruck bleibt bestimmendes Thema und wird die nächsten Jahre weiter prägen. Operative Effizienz, Prozessoptimierungen und Einsparungsprogramme sind weiterhin wichtig und betreffen auch den CFO-Bereich (als Treiber von Initiativen aber auch als Gegenstand weiterer Kostenoptimierung).
- Zudem können externe Einflüsse diesen jederzeit weiter verschärfen wie beispielsweise eskalierende Handelskonflikte, Zölle etc.
Digitalisierung schreitet unablässig voran:
- Der Ausbau datengetriebener Herangehensweisen und neuer Technologien (insbesondere KI, … ) schreitet voran, braucht aber einen klaren Fokus für eine erfolgreiche Umsetzung.
- Investitionen in neue Technologien sind daher gezielt zu tätigen, insbesondere auch Grundlage von aussichtsreichen (va sinnvoll skalierbaren) Use Cases.
- Datenplattformen sind weiter zu etablieren bzw auszubauen, dabei wird aber insbesondere das Thema Datenschutz herausfordernder und zu einer wichtigen Rahmenbedingung.
Nachhaltigkeit & ESG:
- Das Thema Nachhaltigkeit ist weiter aktiv voranzutreiben, dabei müssen aber die richtigen Prioritäten gesetzt und möglichen Veränderungen bei den Anforderungen flexibel begegnet werden.
- Generell ist aber von steigenden Anforderungen an die Datenbereitstellung zum Thema Nachhaltigkeit bzw ESG-Reporting zu rechnen.
- Die Integration von ökologischen und sozialen Folgekosten (iS True Cost Accounting) und die optimale Abbildung der Steuerung von Nachhaltigkeitsprojekten werden daher weiter wichtige Themen bleiben.
Change wird zum Dauerbegleiter:
- Aktives Change Management ist im Finanzbereich nicht mehr wegzudenken und wird weiterhin wesentlich bleiben. Daher ist auch die Change-Kompetenz im Finanzteam weiter auf- bzw auszubauen.
- Dabei gilt: Eine aktive Rolle wahrnehmen zu können, stärkt die Positionierung in der Organisation, um vom „role taking“ zum „role making“ zu gelangen!
Der Mensch bleibt im Mittelpunkt:
- Bei aller technologischer Weiterentwicklung spielt der Mensch immer noch eine wesentliche Rolle und ist als Sparringspartner und Challenger (zB bei komplexen Projekten) nicht wegzudenken.
- Gezielte(r) Ausbau bzw Weiterentwicklung der Mitarbeiterbasis bleibt wesentliche Herausforderung und muss durch ein Kompetenzmanagement unterstützt werden.
- Insbesondere die Digitalisierung beginnt beim Mitarbeiter (Kompetenzausbau – fachlich, technologisch, sozial – als erster Schritt zur erfolgreichen Umsetzung von Digitalisierungsinitiativen).
All diesen Entwicklungen bzw Rahmenbedingungen gilt es, durch die Gestaltung der Finanzorganisation Rechnung zu tragen. Diese gestalterische Aufgabe muss strukturiert erfolgen und alle relevanten Facetten (Gestaltungselemente) müssen berücksichtigt werden. Dabei sind klare Weichenstellungen zu treffen und als Leitplanken festzulegen. Zudem ist es auch wesentlich, einen mutigen und zukunftsgerichteten Entwicklungsschritt zu setzen, und keinesfalls in kleinen und inkrementellen Alibi-Anpassungen zu verharren, die dem CFO am Ende unzureichende Handlungsoptionen erschließen. Im Folgenden werden die wesentlichen Gestaltungselemente einer zukunftsfitten Finanzorganisation beschrieben und beispielhaft herausgearbeitet.
1. Gestaltungselemente einer zukunftsfitten Finanzorganisation
Die zukunftsfitte Finanzorganisation basiert auf fünf zentralen Gestaltungselementen (siehe auch Abb 1). Hierzu gehören:
- Rollenbild und Positionierung,
- Leadership und Mindset,
- Ressourcen und Kompetenzen,
- Aufbauorganisation sowie
- Ablauforganisation.
Wesentlich für die konkrete Ausgestaltung sind Themen wie ein agiles und fokussiertes Steuerungsmodell (mit entsprechender Rückwirkung auf die wesentlichen Steuerungsprozesse bzw -instrumente), aber auch die Themen Technologie, Systeme bzw Systemintegration. Diese sind – ebenso wie die oben beschriebenen Rahmenbedingungen – in den Design-Prozess einzubeziehen.

Abb 1: Gestaltungselemente der zukunftsfitten Finanzorganisation.
1.1. Rollenbild und Positionierung
Die Finanzfunktion steht häufig in der Kritik, nicht ausreichend visionär bzw zukunftsgerichtet zu agieren. Unter den zuvor beschriebenen Rahmenbedingungen muss sich die Positionierung der Finanzfunktion weiterentwickeln. Aus unserer Sicht sind für die Verankerung eines zukunftsträchtigen Rollenbilds folgende Aspekte sinnvoll miteinander verschränkt in die Positionierung einzubauen:
Die Finanzfunktion muss als „Strategischer Enabler“ agieren: Neben den klassischen Funktionen einer Finanzfunktion wie zB Accounting, Budgetierung und Reporting muss die Finanzfunktion auch ein aktiver Partner im Transformationsprozess sein. Das setzt voraus, dass die Finanzfunktion flexibel auf kurzfristige Änderungen und Anforderungen reagieren und aktiv an zentralen Fragestellungen mitarbeiten kann.
Der Finanzfunktion kommt die Aufgabe eines „Aktiven Performance Managers“ zu: Die Finanzfunktion verfügt und betreibt die Tools, um Handlungsbedarfe frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen ableiten zu können. Dabei nimmt die Finanzfunktion durch das Aufzeigen, die Ableitung von Vorschlägen sowie das Einfordern der Umsetzung eine aktive, gestaltende und richtunggebende Rolle ein.
Die Finanzfunktion ist ein zentraler „Data Analytics Treiber“ in der Organisation: Die Finanzorganisation kann mit komplexen Fragestellungen umgehen und eine hohe Anzahl an Datenpunkten zielgerichtet, rasch analysieren und zur Entscheidungsunterstützung verfügbar machen.
Die Finanzfunktion ist ein „Integrator“: Sie stellt sicher, dass Risiko und Nachhaltigkeitsaspekte sinnvoll in die Unternehmenssteuerung integriert werden und keine autarken bzw parallelen Steuerungs- bzw Reporting-Prozesse etabliert werden.
Die Finanzfunktion ist ein „Digitalisierungs Competence Center“: Sie treibt die Digitalisierung und Automatisierung der eigenen Prozesse voran und bringt die Expertise in die Digitalisierung weiterer Kernfinanzprozesse ein. Zusätzlich agiert die Finanzfunktion als wirtschaftliches Gewissen beim Einsatz der Werkzeuge. Die Finanzfunktion ist somit ein wesentlicher Player in der Digitalisierung und Automatisierung der Organisation.
1.2. Leadership und Mindset
Die Finanzfunktion wird häufig als pflichtbewusster Partner gesehen, der zB seine Berichte erstellt und den Jahresabschluss fristgerecht und korrekt erledigt. Allerdings muss die Finanzfunktion, unter den zuvor beschriebenen Rahmenbedingungen, deutlich mehr Leadership und ein aktiveres Mindset zeigen. Das bloße „Erstellen“ und „Verteilen“ von Berichten und ggf Kommentaren wird nicht ausreichen, um als betriebswirtschaftlicher Know-how-Träger gesehen zu werden, der aktiv dazu beiträgt, die zentralen Herausforderungen (zB Kosten- und Margendruck, Unsicherheit) zu bewältigen. Vielmehr muss die Finanzfunktion aktiv kritische Themen aufgreifen, das Bewusstsein für den Handlungsbedarf schaffen und Varianten aufzeigen, entwickeln und Entscheidungen herbeiführen.
Die Finanzfunktion muss zB bei Projekten oder in Optimierungsprozessen aktiv Leadership zeigen, diese initiieren und als maßgeblicher und proaktiver Treiber von wichtigen Weiterentwicklungsprojekten auftreten.
1.3. Ressourcen und Kompetenzen
Unter dem aktuellen Kosten- und Margendruck steigt auch die Anforderung an den Finanzbereich, Kosten zu reduzieren. Dies erscheint in vielen Fällen – nach Jahren, in denen die Personalgewinnung herausfordernd war – kontraproduktiv. Umgekehrt ist die laufende Optimierung und Weiterentwicklung eine Kernanforderung.
Zusätzlich ist anzumerken, dass Digitalisierungs- und Automatisierungsinitiativen dazu führen, den manuellen Anteil an Tätigkeiten, insbesondere im transaktionalen Bereich, zu reduzieren. Dies veranlasst vielmehr dazu, den Ressourceneinsatz im Finanzbereich zu hinterfragen. Es stellt sich in einer zukunftsfitten Finanzorganisation weniger die Frage „Haben wir ausreichend Ressourcen?“, sondern vielmehr „Haben wir die erforderlichen Kompetenzen im erforderlichen Ausmaß?“. Beispielsweise benötigt eine rollenbasierte Aufbauorganisation (siehe Punkt 1.4. Aufbauorganisation) je nach Rolle unterschiedliche Profile und Kompetenzen, zB stehen für einen Business Partner Kommunikations- und Präsentations-Skills sowie Stressresistenz mehr im Vordergrund als bei anderen Rollen.
1.4. Aufbauorganisation
Unter den herausfordernden Rahmenbedingungen müssen auch strukturelle Anpassungen in der Finanzorganisation adressiert werden. Der in vielen Organisationen realisierte Zugang der Universalisten erscheint nicht mehr durchhaltbar. Digitalisierung, aktives Business Partnering sowie tiefgehende Analytics- und IT-Kompetenzen in einer Person zu vereinen, gelingt nur äußert selten. Aus diesem Grund soll verstärkt mit rollenbasierten Organisationsmodellen gearbeitet werden.
Beispielsweise zeigt sich, dass in Controllingfunktionen zukünftig stärker differenziert werden muss. Die Rolle des Business Partners steht in direktem Austausch mit den Controlling-Kunden und agiert sowohl als Service- wie auch als Sparringspartner, während die Rolle des operativen Controllings unterstützende operative Tätigkeiten übernimmt. Somit kann sich der Business Partner um die Kernaufgaben kümmern (zB Diskussion von Berichten, Ableitung von Maßnahmen), die operative Vorbereitung hingegen (zB iS Erstellung von Berichten, Datenvalidierung) erfolgt durch andere Spezialisten.
Die Trennung der Rollen kann auch erweitert werden, beispielsweise kann die Business-Partner-Rolle auch Themenstellungen aus anderen Bereichen (zB Accounting-Fragestellungen, Einkaufsthemen etc) integrieren. Für die Kunden der Finanzfunktion kann so die Anzahl an Ansprechpartnern reduziert, die Verschränkung der Themen verbessert und die Unterstützung weiter optimiert werden. Neben Effizienzsteigerungen können unmittelbar Effektivitätspotenziale generiert werden.
Neben den beiden bereits diskutierten Kernrollen ist in der Finanzorganisation jedenfalls die Projekt- sowie die IT-Rolle zu intensivieren. Die Projektrolle zielt unmittelbar auf zwei Kernfragestellungen ab: einerseits die unmittelbare Umsetzung von Projekten im Finanzbereich, andererseits die Involvierung und Berücksichtigung der Perspektive des Finanzbereichs in zentralen Unternehmensprojekten.
Vor dem Hintergrund der steigenden IT-Unterstützung für den Finanzbereich sowie der Forcierung von Digitalisierungs- und Automatisierungsinitiativen ist die IT-Kompetenz im Finanzbereich zu verbessern.
Zusätzlich ist sicherzustellen, dass in diesem rollenbasierten Modell klare Leadfunktionen für die Standardisierung und Weiterentwicklung von Prozessen, Tools und Systemen der Finanzfunktion etabliert sind. Die Leadfunktionen – in Abbildung 2 unter dem Titel Competence Center abgebildet – haben den Lead für ein Thema und stellen sicher, dass Weiterentwicklungen initiiert und koordiniert werden.

Abb 2: Rollenbasiertes Modell am Beispiel Controlling.
1.5. Ablauforganisation
Eine zukunftsfitte Finanzorganisation benötigt definierte Prozesse, die Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen klar beschreiben. Insbesondere für die Finanzorganisation mit ihren zahlreichen Schnittstellen in andere Funktionsbereiche und Abhängigkeiten von vorgelagerten Aktivitäten ist Transparenz und Klarheit essenziell.
Neben den klassischen Spannungsverhältnissen im Zusammenhang mit den operativen Betriebseinheiten bestehen häufig Optimierungspotenziale im Wechselspiel mit dezentralen Finanzorganisationseinheiten (zB dezentrales Funktionsbereichscontrolling, dezentrale Betriebskaufleute). Klare Verantwortlichkeiten, transparente Aufgabenzuständigkeiten und Kompetenzen schaffen die Basis für höhere Effizienz und Effektivität.
2. Wie die Transformation erfolgreich gelingt
Neben der inhaltlichen Entwicklung der zukunftsfitten Finanzorganisation ist die Planung und konkrete Umsetzung des Transformationsprozesses eine herausfordernde Aufgabe. Dabei gilt es, basierend auf den oben getroffenen konzeptionellen Festlegungen ein geeignetes Vorgehensmodell zu definieren, das spezifische Rahmenbedingungen berücksichtigt. Vor dem Start mit dem Umsetzungsprojekt sollten folgende Voraussetzungen klar herausgearbeitet sein, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten:
- Klar herausgearbeitete Aufgaben bzw die Aufgabenverteilung (Aktivitätensplit) entlang der wesentlichen Finanzprozesse (iS Wer macht zukünftig was?).
- Daraus abgeleitete Ressourcenbedarfe der jeweiligen Einheiten auf Grundlage des definierten Aktivitätensplits.
- Detaillierte Transfermatrix und damit ein klares Bild, welche Handlungen (iS Verschiebungen / personelle Änderungen) zu setzen sind.
- Evaluierung der Bedarfe zur Kompetenzentwicklung (Schulungs- und Trainingsbedarfe) auf Basis der erforderlichen Ziel-Rollen.
- Festlegte Kommunikationsstrategie und Kommunikationsfahrplan zur Vermeidung von Informationslücken bzw widersprüchlichen Botschaften.
Je klarer und detaillierter diese Informationen herausgearbeitet sind und als Input zur Verfügung stehen, umso besser lässt sich der notwendige Change-Prozess gestalten. Im Hinblick auf ein erfolgreiches Change Management sind wesentliche Grundsätze einzuhalten – dazu zählen insbesondere:
- Eine sinnvoll ausgestaltete, gezielte und dosierte Einbindung der Organisation, um „aus Betroffenen Beteiligte zu machen“, ist sicherzustellen.
- Die Interaktion hat im gesamten Umsetzungsprojekt stets sachlich und lösungsorientiert zu erfolgen.
- Bedenken sollte Raum gegeben und eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Veränderung unterstützt werden.
- Schlüsselpersonen sind laufend und zielgruppenspezifisch zu informieren bzw einzubinden, dabei sind Multiplikatoren in der Organisation sinnvoll zu nutzen.
- Ein wertschätzender Umgang mit Ressourcen ist durchgängig sicherzustellen.
- Konflikte und Widerstände sind aktiv aufzugreifen und sachlich zu lösen.
- Eine transparente, widerspruchsfreie und wertschätzende Kommunikation während des gesamten Projekts ist wesentlich.
Auf den Punkt gebracht
Die Weiterentwicklung der Finanzorganisation ist ein zentrales Handlungsfeld für den CFO-Bereich. Die integrierte Betrachtung von Rolle und Positionierung, einem modernen Mindset und klaren Leadership-Skill, einer adäquaten Ressourcenausstattung mit klaren Kompetenzprofilen sowie ein klares Bild zur Aufbau- und Ablauforganisation helfen der Steigerung von Effizienz und Effektivität der Finanz- und Gesamtorganisation.
Publiziert im CFOaktuell, Nr. 1, Jänner 2026
https://linda.lindeverlag.at/Ausgaben/USYQC4GA37/2026/
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